Tour de France - Tour-Geschichte(n), Tag 12: Ullrich-Solo, Nagel-Attacke und dreimal Fignon

Die Geschichte der Tour steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Dabei muss man gar nicht ewig in den Geschichtsbüchern zurückblättern. Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich exakt heute jähren und deren Bilder uns oft noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht.

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Tour de France - Tour-Geschichte(n), Tag 12: Ullrich-Solo, Nagel-Attacke und dreimal Fignon
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Jan Ullrich Tour 1997

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Der 15. Juli – kein Tag wie jeder andere:

Egal was noch alles kam von Jan Ullrich an Triumphen und Enttäuschungen - sein Solo ins Gelbe Trikot hinauf nach Andorra 1997 hat eine Generation deutscher Radfans geprägt. Wie er nach über 230 Kilometern und sieben Stunden im Sattel die komplette Konkurrenz stehen lässt, als er endlich freie Fahrt bekommt, hat keiner vergessen, der diese 10. Etappe je gesehen hat.

Über eine Minute nimmt er Pantani und Virenque ab - und wird Gelb bis nach Paris tragen. Nur aus der ihm prophezeiten jahrelangen Dominanz wird nichts.

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Aus ganz anderen Gründen sorgt der 15. Juli im Jahr 2012 für Schlagzeilen. An der gefürchteten Mur de Peguère ist es nicht die steile Rampe an sich, die den Fahrern Probleme macht - sondern Hunderte von Nägeln, die plötzlich auf der Straße liegen. Die Ausreißergruppe kommt noch unbehelligt durch, dann häufen sich plötzlich Reifenschäden in unglaublicher Menge. Klarheit gibt es erst im Ziel, wo auch zahllose Motorradpiloten von ihrem Schicksal berichten. Es bleibt bei einem Schlüsselbeinbruch als direkter Folge, doch der idiotische Sabotageakt hätte auch viel übler enden können.

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Dass am 15. Juli 2006 die ganze Tour auf den Kopf gestellt wird, ahnt in Montélimar noch keiner. Jens Voigt jubelt über einen hart erkämpften Etappensieg mit unglaublichen 29:57 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld. Frustriert ist der knapp geschlagene Oscar Pereiro - der zwar Gelb übernimmt, aber dem Tagessieg nachtrauert. Dass er eben die Tour-Gesamtwertung gewonnen hat, kann sich der Spanier beim besten Willen nicht vorstellen. Doch der Vorsprung und ein Dopingtest bei Floyd Landis machen ihn zum ersten Sieger der Jahre nach der Amstrong-Ära.

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Dass man starke Fahrer nicht eine halbe Stunde entwischen lässt, hätte man schon 2001 lernen können. Auf der berühmt gewordenen Regenetappe nach Pontarlier lässt man eine große Gruppe ziehen, nachdem sich Alexander Winokurow aus ihr zurückfallen lässt. Im kalten Dauerregen gewinnt Erik Dekker, ein völlig entkräftetet Stuart O'Grady (Bild, neben ihm Sven Teutenberg) holt sich Gelb. Andrei Kivilev und Francois Simon aber bringt das Polster in Paris auf die Plätze vier und sechs der Gesamtwertung.

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Gleich dreifach ist der heutige Tag mit Laurent Fignon verbunden. Im Jahr 1984 (Bild unten) gewinnt er das Bergzeitfahren von La Ruchère und macht immer deutlicher, dass sein Gesamtsieg vom Vorjahr alles andere als einfach der Abwesenheit Hinaults zu verdanken war. Acht Jahre später feiert der zweifache Tour-Sieger in Mulhouse den letzten Tagessieg seiner Tour-Karriere: Nach einer Flucht durch die Vogesen und einer Hetzjagd des Feldes rettet Fignon wenige Sekunden ins Ziel. Exakt ein Jahr später endet seine Tour-Karriere: Am 15. Juli 1993 steigt er auf der großen Alpenetappe über den Col de la Bonnette vom Rad und kehrt nie wieder als Fahrer zur Tour zurück.

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Der Tour den Rücken kehrt am 15. Juli 1991 das komplette PDM-Team, soweit die Fahrer nicht schon am Vortag ausstiegen. Eine Lebensmittelvergiftung wird als Grund genannt, doch aus der Gerüchteküche kommen ganz andere Vermutungen. Restlos geklärt ist bis heute nicht, was die niederländische Truppe mit ihren Stars Breukink, Kelly und Alcala und dem deutschen Duo Raab und Boden so aus der Bahn warf.

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Das Tour-Aus kommt auch für Patrik Sinkewitz an einem 15. Juli. Nach der Bergankunft in Tignes fährt er wie viele Fahrer den Schlussanstieg hinunter, als er mit einem Zuschauer kollidiert. Der Hesse verletzt sich schwer und muss das Rennen verlassen. Im Krankenhaus in Hamburg erlebt er dann, wie wenige Tage später sein positiver Dopingtest für ein Erdbeben sorgt. ARD und ZDF ziehen sich aus der Tour zurück, die erst kurz zuvor mit dem Sieg von Linus Gerdemann ein deutsches Highlight erlebt hatte.

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Erfreulichere Erinnerungen an den 15. Juli haben da zwei deutsche Asse der Sechziger: Rolf Wolfshohl erobert 1968 an diesem Tag auf der 16. Etappe in Aurillac durch Platz zwei das Gelbe Trikot, das er zwei Tage lang trägt. Sechs Jahre früher endet die Tour bereits am 15. Juli und ein deutscher Debütant wird in Paris als Gewinner des Grünen Trikots gefeiert (und hier von Teamchef Raphaël Géminiani geherzt): Rudi Altig setzt sich in der Punktewertung dank seiner drei Tagessiege souverän durch.

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Und am 15. Juli 1977 macht die Tour für eine Halbetappe Station in Freiburg. Riesige Fanmengen bejubelten dort Didi Thurau, der in Gelb fährt und als Dritter des 13. Teilstücks einen weiteren Tagessieg nur knapp verpasst. Der Belgier Patrick Sercu holt sich das Teilstück, in der Gesamtwertung bleibt Thurau 51 Sekunden vor Eddy Merckx und verteidigt nach seinem Prolog-Sieg zum Rundfahrt-Auftakt das "maillot jaune" einen weiteren Tag.

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