Tour de France - Tour-Geschichte(n): Armstrong "fängt" Ullrich, blutiger Sprint, Thurau & Thaler siegen

Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich exakt heute jähren und deren Bilder uns oft noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Jan Ullrich, Lance Armstrong, Didi Thurau, Klaus-Peter Thaler und einem blutigen Sprint in Straßburg.

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Cycling Tour de France 2005 Noirmoutier Armstrong Ullrich

Der 2. Juli – kein Tour-Tag wie jeder andere:

Der turbulente Auftakt der Tour 2006 hat in vielerlei Hinsicht Geschichte geschrieben – am 2. Juli sorgt die 1. Etappe mit Start und Ziel in Straßburg für Schlagzeilen abseits des Dopingskandals. Dabei ist der größte Aufreger der blutige Zwischenfall im Zielsprint: Prolog-Sieger Thor Hushovd mischt auf der Zielgeraden mit Vollgas mit, denn es geht um Zeitgutschriften - und der Norweger hat sein Gelbes Trikot unterwegs am Zwischensprint "virtuell" schon verloren (s.u.).

Wenige Meter vor dem Ziel dann der Schock: Hushovd knallt bei Höchstgeschwindigkeit im Sprint entlang der Absperrung gegen eine der grünen Papphände, mit denen die Fans dort den Fahrern zujubeln. Folge: Eine tiefe Wunde am Oberarm, viel Blut überall und ein großer Schock für den Skandinavier (der Neunter im Sprint wird) und alle anderen.

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Zum Glück sind die Verletzungen des Stars von Crédit Agricole nicht allzu schlimm, mit einem Verband tritt er am nächsten Tag wieder an. Sponsor PMU muss aber die Verteilung seiner beliebten Werbemittel einstellen. Hushovd selbst war übrigens überzeugt, gegen eine Digitalkamera gerauscht zu sein, so hart war der Aufprall…

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Der zweite besondere Anlass, sich an diesen 2. Juli zu erinnern, ist der Nachfolger Hushovds im "maillot jaune": Denn für George Hincapie lagen Frust und Freude extrem eng zusammen in Straßburg: Im Prolog wurde er hauchdünn um weniger als eine Sekunde geschlagen – doch tags drauf schnappte er sich unterwegs eine Zeitgutschrift, Hushovd verpasste durch das Drama eine mögliche Bonifikation im Ziel: Der US-Amerikaner war am Ziel – erstmals in seiner Karriere schlüpfte er in Gelb.

Wie besonders der Tag war, zeigt der Blick auf die historische Dimension: Mit 17 Tour-Starts ist Hincapie ja seit 2011 einer der Rekordhalter – in Gelb aber steht er in dieser langen Zeit nur einmal auf dem Podium: Am 2. Juli 2006.

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Jan Ullrich fehlt bei der Tour 2006 wegen der Doping-Affäre Puerto, doch ein Jahr zuvor liefert er am 2. Juli 2005 eine spezielle Geschichte. In den Tour-Auftakt jenes Jahres geht er nach seinem Sturz durch die Heckscheibe eines Teamfahrzeuges gehandicapt.

Das Zeitfahren über 19 km zur Ile de Noirmoutier und erste Duell mit Lance Armstrong endet mit einer einmaligen Demütigung: Der Texaner holt unterwegs den eine Minute vor ihm gestarteten Ullrich ein – der jetzt weiß, wie sich Richard Virenque 1997 fühlte, als im Zeitfahren von Saint Etienne plötzlich ein Gelbes Trikot an ihm vorbeiflog…

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Zwei andere Deutsche aber sorgten jeweils Jahre zuvor am 2. Juli für Glanztaten. Didi Thurau gab 1977 ein bemerkenswertes Tour-Debüt: Sein Sieg im Prolog war ein Kurzauftritt von wenigen Minuten – doch dass es dem Hessen nicht an Ausdauer mangelte, zeigte er am 2. Juli 1977. Denn schon am dritten Tour-Tag stand die längste Etappe über 253km an, die dazu auch noch durch die Pyrenäen führte. Nach über acht Stunden kam die Spitzengruppe in Pau an – wo Thurau seinen zweiten Sieg feierte.

Die Begeisterung um ihn wurde durch diesen erneuten Coup noch größer – und er sollte das Tour-Fieber in Deutschland noch weiter steigen lassen: Denn seine Zeit in Gelb war noch lange nicht vorbei und auch Tagessiege sollte es noch etliche geben, wie wir noch sehen werden.

Ein Jahr später war es just am 2. Juli 1978 dann Klaus-Peter Thaler, der bei der Tour für Furore sorgte. Als einziger deutscher Starter im Rennen, holt er die 3. Etappe vor den Toren von Paris und trug für zwei Tage Gelb.

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Gnadenlos zeigt sich die Tour schließlich am 2. Juli 2013. Bei der Jubiläums-Austragung steht ein Teamzeitfahren in Nizza auf dem Programm, 25 Kilometer im Kampf gegen die Uhr. Schon das Ergebnis hat Seltenheitswert - nur 75/100 liegt der australische Orica-Rennstall vor Quickstep. Doch ganz am Ende spielt sich noch ein anderes Drama ab: Für Ted King vom Cannondale-Team ist diese 4. Etappe sofort ein Einzelzeitfahren, denn mit seiner Schulterverletzung kann er das Tempo der Mannschaftskameraden schon nach wenigen Metern nicht mehr halten.

Als Solist quält sich der US-Amerikaner über den Kurs, den er aufgrund seiner lädierten Schulter auch nicht mit seiner Zeitfahr-Spezialmaschine absolvieren kann. Es ist ein Kampf gegen die Karenzzeit - maximal 25% langsamer als die schnellste Mannschaft darf er sein. Am Ende fehlen ihm laut offizieller Zeitnahme 7 Sekunden und die Jury schließt ihn vom Rennen aus. Dass King auf sein eigenes Messgerät verweist, laut dessen Daten er gerade noch rechtzeitig angekommen wäre, rührt die Jury nicht, sie kennt keine Gnade.

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